Stefan Siegwart Gründer, Vantage:Brain GmbH
2025 Perspektiven

Was ein Sparringspartner ist und was nicht.

Das Wort taucht mittlerweile überall auf. In Stellenanzeigen, auf Beratungswebseiten, in LinkedIn-Posts. Nur was genau damit gemeint ist, bleibt meistens unklar. Und das ist ein Problem, denn wer nicht weiß was er sucht, findet meistens das Falsche.

Was ein Sparringspartner nicht ist.

Fangen wir mit dem an was er nicht ist, das ist ehrlich gesagt einfacher zu erklären.

Kein klassischer Coach, auch, wenn die Grenzen fließend sind. Ein Coach startet bei der Person, bei Haltungen, Mustern, inneren Blockaden. Ein Sparringspartner startet bei der Entscheidung. Aber in der Praxis zeigt sich oft, dass beides zusammenhängt. Wer bei einer Entscheidung feststeckt, tut das meistens nicht wegen fehlender Informationen. Sondern wegen dem was er über sich selbst noch nicht gesehen hat.

Kein klassischer Berater. Berater analysieren, strukturieren, liefern Empfehlungen, meistens in Form eines Dokuments, das danach im Regal steht. Der Wert liegt in der Analyse. Nützlich, keine Frage. Aber das löst ein anderes Problem als das, worum es beim Sparring geht.

Und kein Mentor. Ein Mentor gibt weiter was er selbst erlebt hat, teilt seine Erfahrungen, zeigt was bei ihm funktioniert hat. Wertvoll, aber Sparring funktioniert anders. Es geht nicht darum was jemand anderes in einer ähnlichen Situation getan hat. Es geht darum was Sie, in Ihrer Situation, jetzt tun sollten.

Der Unterschied liegt nicht in der Person des Gegenübers. Er liegt darin was im Gespräch passiert.

Was Sparring wirklich bedeutet.

Der Begriff kommt aus dem Boxen, und das ist kein Zufall. Sparring ist das Üben gegen einen echten Gegner, jemanden der zurückschlägt, der Druck macht, der nicht nachgibt nur weil man müde wird oder weil es gerade unangenehm wird. Das Ziel ist nicht den Sparringspartner zu besiegen. Das Ziel ist besser zu werden.

Übertragen auf Führung heißt das: Ein Sparringspartner denkt mit, stellt unbequeme Fragen und hält Positionen, die der Gesprächspartner lieber fallen lassen würde. Er gibt nicht nach, wenn eine Antwort zu bequem ist. Er sagt was er sieht, auch, wenn es nicht das ist, was man hören möchte. Gerade dann.

Was er nicht tut: Er gibt keine Antworten vor, er entscheidet nicht, er übernimmt keine Verantwortung, die beim Geschäftsführer liegt und auch dort bleiben muss. Sparring schärft die Entscheidung. Es trifft sie nicht.

Warum Geschäftsführer das brauchen.

Wer führt ist meistens allein mit den wirklich schwierigen Fragen. Das klingt nach Klischee, ist es aber nicht. Das Führungsteam hat eigene Interessen. Gesellschafter haben Erwartungen. Mitarbeitende haben Abhängigkeiten. Niemand davon kann vollständig ehrlich sein, weil jede Ehrlichkeit eine Konsequenz hat die ihn selbst betrifft.

Ein externer Sparringspartner hat diese Abhängigkeiten nicht. Er hat kein Interesse daran, dass eine bestimmte Entscheidung getroffen wird. Er profitiert nicht davon, wenn das Unternehmen in eine Richtung geht statt in eine andere. Erst das macht wirklich ehrliches Feedback möglich.

Einsamkeit an der Spitze ist keine Schwäche und keine Sentimentalität. Sie ist eine strukturelle Realität, und Sparring ist eine strukturelle Antwort darauf.

Wann Sparring funktioniert und wann nicht.

Sparring funktioniert, wenn jemand eine Entscheidung vor sich hat, die schwer ist, nicht weil die Daten fehlen, sondern weil die Konsequenzen unbequem sind. Weil jede Option einen Preis hat. Weil intern jeder eine Meinung hat aber niemand die Gesamtverantwortung trägt.

Sparring funktioniert nicht als Therapie. Nicht als Wissensvermittlung. Und schon gar nicht als Absicherung für Entscheidungen, die eigentlich schon getroffen sind. Wer einen Sparringspartner sucht der seine bereits getroffene Entscheidung bestätigt, braucht keinen Sparringspartner. Er braucht jemanden dem er erzählen kann was er vorhatte. Das ist etwas anderes.

Ein guter Sparringspartner macht eine Führungskraft nicht abhängig von externem Input, er macht sie unabhängiger davon. Weil die eigene Entscheidungsqualität steigt. Das ist das Ziel. Nicht das ewige Gespräch, sondern das irgendwann überflüssig gewordene.

Wer wissen will wie das konkret aussieht, welche Formate es gibt und wann welches passt, findet das unter Leistungen. Oder direkt ein Erstgespräch buchen.