Stefan Siegwart Gründer, Vantage:Brain GmbH
2025 Perspektiven

Der Moment, in dem Optimierung
aufhört zu helfen.

Optimierung hat die meisten Unternehmen dahin gebracht, wo sie heute sind. Irgendwann dreht sich das, schleichend. Der Punkt, an dem weitere Effizienz mehr kostet als sie bringt, ist meistens schon früh da, nur er wird nicht erkannt, weil man im Selbstoptimierungssog ist. Wie so oft erkennt man erst rückwirkend, dass der Zeitpunkt schon längst da war.

Das Paradox der Stärke.

Was ein Unternehmen groß gemacht hat, ist selten das, was es weiter wachsen lässt. Oft ist das eine der unangenehmsten Erkenntnisse, die eine Führung machen kann. Wie man auch gern sagt: Erkenntnisprozesse sind nicht umkehrbar. Nur was bedeutet das konkret? Die eigene Erfolgsgeschichte wird früher oder später zur Bremse. Ohne Absicht, völlig unbewusst.

Optimierung funktioniert innerhalb eines Rahmens. Sie macht das Bestehende schneller, schlanker, effizienter. Doch was sie nicht verändert, ist der Rahmen selbst, und wer das von ihr erwartet, wird feststellen, dass er mit dem richtigen Werkzeug an der falschen Stelle arbeitet. Am Ende optimiert man sich in die Bedeutungslosigkeit. Und warum? Weil Dinge optimiert werden, die einfach nicht mehr gefragt sind.

Wer immer effizienter wird in etwas, das nicht mehr gefragt ist, optimiert sich in die Bedeutungslosigkeit.

Woran man es erkennt.

Nur weil man einmal etwas gefunden hat, das funktioniert, heißt das nicht, dass man es immer wieder wiederholen kann und bessere Ergebnisse erwarten darf. Einstein wird ein Spruch zugesprochen, der es ziemlich genau trifft: „Wahnsinn ist, immer wieder dasselbe zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."

Maßnahmen, die über Jahre funktioniert haben, bringen plötzlich weniger. Wer das bemerkt, greift meistens zu mehr desselben: mehr Vertrieb, engere Kontrolle, mehr Prozessarbeit. Zurück zu alten Gewohnheiten, was ganz natürlich ist und in der Natur des Menschen liegt. Das hat oft den Nebeneffekt, dass sich die Situation eher zuspitzt und man sich mehr und mehr in gut angelegte, trainierte Muster flüchtet.

Dazu kommt, dass interne Energie zunehmend in Koordination wandert statt in Wertschöpfung. Meetings, Abstimmungsrunden, Klärungsgespräche nehmen zu, alle sind beschäftigt, mit dem Effekt, dass die Organisation noch mehr gelähmt wird. Man gerät in den Tunnelblick und verliert die Fähigkeit, Potenziale zu erkennen, intern wie extern. Diese Verhaltensmuster sind meistens schon früh angelegt worden, was nicht immer gut ist, weil sie in größer gewordenen Strukturen plötzlich ineffizient sind.

Das dritte Zeichen ist das unangenehmste: Durch den Effekt „Wir wissen genau was wir brauchen und müssen da nicht weiter hinschauen" findet man die besten internen Erklärungen für die Stagnation. Sie klingen immer schön plausibel, alle nicken und sind zufrieden, aber sie treffen den Kern nicht. Was fehlt, ist meistens keine tiefere Analyse. Es ist eine andere Frage. Und die ist immer unbequem.

Was dann hilft und was nicht.

Was Organisationen in solchen Phasen typischerweise tun: neues CRM einführen, die Website relaunchen, einen Strategie-Workshop buchen, die Vertriebsaktivität erhöhen. Ich nenne das auch gerne: blinder Aktionismus. Alles nachvollziehbar, und trotzdem greift es nicht, weil all das innerhalb desselben Rahmens passiert, der die Stagnation erst erzeugt hat.

Was sich ändern muss, sind nicht die Antworten, sondern die Fragen, die intern gestellt werden. Weniger „wie machen wir das besser?" und öfter „warum machen wir das überhaupt noch so?" Diese Fragen möchten viele nicht zulassen, weil es indirekt ein persönlicher Angriff wäre, es würde ja heißen, dass man die ganze Zeit Fehler gemacht hat. Und Fehler sind in unserer Kultur leider immer noch etwas Negatives, dabei zeigen sie uns genau, wo wir Potenzial zum Lernen und Verbessern haben.

Der Unterschied zwischen einem Effizienzproblem und einem Strategieproblem liegt nicht in den Zahlen. Er liegt in der Frage, die man bereit ist zu stellen.

Warum das von innen schwer zu sehen ist.

Wer in einem System arbeitet, denkt zwangsläufig in den Kategorien dieses Systems, und es ist schwierig, sich davon frei zu machen ohne externen Impuls. Die Sprache, die intern verwendet wird, die Metriken, die zählen, die Themen, die auf den Tisch kommen, sie alle formen mit, was überhaupt als Problem wahrgenommen wird und was unsichtbar bleibt. Das ist keine Frage individuellen Versagens, sondern eine strukturelle Bedingung von Führung in gewachsenen Organisationen. Und im Prinzip ist hier auch niemand schuld, das sind Dinge, die sich ganz von alleine formen und wachsen.

In solchen Momenten hilft jemand von außen, nicht weil er das Unternehmen besser kennt als die Menschen, die täglich darin arbeiten, sondern weil er die Fragen stellt, die intern niemand stellt, und bleibt, bis aus einer Frage eine Entscheidung geworden ist.

Optimierung bleibt absolut eine Stärke. Wer ihre Grenze kennt, kann rechtzeitig entscheiden was als nächstes kommt. Wer sie nicht kennt, optimiert weiter, bis der Schmerz groß genug ist, um aufzuhören.

Wer das Gefühl hat, genau an dieser Grenze zu stehen, und bereit ist für eine ehrliche Außenperspektive, kann mit einem Diagnose-Mandat anfangen. Vier Wochen. Fokussiert. Ohne Umwege.